Mit der Zeit schleicht sich auch hier ein gewisser Alltag fuer mich ein! So kaempfe ich mit den taeglichen Schwierigkeiten, ueberwinde diverse Huerden, freue mich an schoenen Erlebnissen wie jeder andere auch, ich stehe taeglich zur gleichen Zeit auf, gehe zur "Arbeit", habe geregelte Essenszeiten,..
Ploetzlich offenbaren sich mir auch die weniger angenehmen Dinge, ich bekomme einen guten Einblick hinter die Kulissen. So ist nicht alles Gold was glaenzt (so ungefaehr lautet doch das Sprichwort?), wie ueberall gibt es viel Konkurrenz, viel Neid, Missgunst! Die Menschen definieren sich ueber ihre Positionen, nach unten treten und nach oben schleimen, sie arbeiten viel gegeneinander statt miteinander, keiner kann oder will eine klare Aussage treffen (Angst vor Verantwortung) und dennoch gibt es auch das genaue Gegenteil! It's the same all over the world.
Ich werde mich einfach nicht auf die "unangenehmen" Dinge versteifen und mich darueber aergern, sondern lieber auf meine Chancen, hier etwas zu lernen und erleben, konzentrieren!
Momentan habe ich das Vergnuegen "die Schuelerin" eines Chirurgen, Dr. Varma, zu sein. Es ist toll ihn bei seiner Arbeit beobachten zu koennen, zu sehen wie er seinen Job macht und das er ihn gern macht! Er hat eine etwas rundliche Statur, ein freundliches Gesicht und stets laechelnd nimmt er mich auf seinen Runden durchs Hospital mit und erklaert mir in einem super Englisch und viel Geduld alles was mir vor die Linse kommt! (;
Und das ist so Einiges, ich hatte die Chance zwei weiteren Operationen beizuwohnen (Operationen die Dr. Varma durchfuehrte). Dabei handelte es sich um einen Leistenbruch und einen Abszess am linken Oberschenkel!
Jeden Morgen, um 9.00Uhr beginnen wir unsere Runde im General Ward (dass ist der Teil des Hospitals wo alle Ptienten untergebracht sind, die nicht zahlen - also der Grossteil). Dort hat Dr. Varma momentan zwei Patienten, einen mit nekrotischem Gewebe (da er erst spaet ins Hospital gekommen ist, hat er mittlerweile keine Haut mehr vom Knie aufwaerts bis zum Hintern) und einen mit einem diabetischen Fuss (auch hier ist schon ein Grossteil des Gewebes abgestorben). Ich will auch gar nicht zu sehr darauf eingehen, denn ich weiss, dass ist nicht jedermanns Sache und auch ich bin ja ziemlich am Anfang schon einmal umgekippt und habe immernoch mit mir zu kaempfen, wenn ich den Verbandswechseln zusehe!
Es ist nur sehr bewundernswert, wie die Aerzte vielen Menschen hier mit nur einfachen Mitteln helfen koennen!
Anyway, momentan sind auch einige Stundenten aus England fuer 6 Wochen da, was fuer mich sehr unterhaltend ist. Also bleibt auch der Spassfaktor nicht aus und gestern sind wir einfach mal in ein Clubhotel gegangen um ein Bierchen zu trinken!(; Das mag jetzt nicht ganz so spektakulaer klingen, aber ihr duerft nicht vergessen, dass ich momentan Teil eines Ashrams bin und das bedeutet hier gibt es keinen Alkohol, keine Zigaretten, kein Fleisch,..usw. Ausserdem haben hier in Rajasthan nur einige wenige Hotels die Erlaubnis Alkohol auszuschenken!!
Sonst erlebe ich kulturell gesehen momentan eher weniger, aber das kommt dann ab Ende Mai! Denn so langsam nehmen auch meine Reiseplaene Gestalt an..
Ich hoffe es geht allen gut und danke fuer diverse mails,ich freue mich immer sehr und irgendwann werde ich sie auch beantworten! (;
Viele liebe Gruesse!
Franziska Herbig - 2. Apr, 11:44